Politik, Macht


Erklärung des siebten Forums 2012 der World Association of Political Economy – WAPE

Staat, Markt, die allgemeine und mensch­liche Entwicklung im 21. Jahrhundert

Die Ge­schich­te des mo­der­nen Ka­pi­ta­lis­mus bestätigt die Leis­tungsfähig­keit des öffent­li­chen Be­reichs und des Staats­sek­tors bezüglich des Fort­schritts der mensch­li­chen Ent­wick­lung. Es muss fest­ge­hal­ten wer­den, dass nicht in je­dem Fall wach­sen­de Staats­ak­ti­vitäten po­li­tisch fort­schritt­lich ge­we­sen sind, wie die fa­schis­ti­schen Dik­ta­tu­ren der 1930er und 1940er und neue­ren Da­tums ex­em­pla­risch zei­gen. Ge­schicht­lich ge­se­hen ha­ben je­doch die po­si­ti­ven For­men der Aus­wei­tung so­wohl des öffent­li­chen Be­reichs als auch des Staats­ek­tors zu er­heb­li­chen Er­run­gen­schaf­ten geführt, seit die Ar­bei­ter­be­we­gung und an­de­re so­zia­le Be­we­gun­gen das Zeit­al­ter der Mas­sen­po­li­tik im späten 19. Jahr­hun­dert ins Le­ben rie­fen: So­zi­al­de­mo­kra­tie, So­zia­lis­mus un­ter der Führung von kom­mu­nis­ti­schen Par­tei­en und De­ve­lop­men­ta­lis­mus[1] in der Mit­te des 20. Jahr­hun­derts. Seit­dem wa­ren die fort­schritt­li­chen As­pek­te des öffent­li­chen Be­reichs und des Staats­sek­tors den At­ta­cken des Neo­li­be­ra­lis­mus aus­ge­setzt.
Die Ge­schich­te zeigt, dass der Ka­pi­ta­lis­mus in je­dem Sta­di­um sei­ner Ent­wick­lung re­gelmäßig schwe­re öko­no­mi­sche Kri­sen er­zeugt. Die große Re­zes­si­on, die 2008 be­gann, die Fi­nanz­kri­se von 2008 und die Kri­se der Euro-Zone, die 2010 be­gann, alle wa­ren sie das Er­geb­nis von dreißig Jah­ren neo­li­be­ral geprägtem Ka­pi­ta­lis­mus. Sie tra­gen gleich­zei­tig eine große Möglich­keit in sich, den Neo­li­be­ra­lis­mus zu über­win­den und in ein neu­es Zeit­al­ter ein­zu­tre­ten, in dem der öffent­li­che und der Staats­sek­tor auf We­gen ex­pan­die­ren, die zum Fort­schritt der Mensch­heit bei­tra­gen. Wenn auch im Zuge die­ser Kri­sen der Neo­li­be­ra­lis­mus die Form von „Aus­te­ri­ty“ an­nahm, was ei­nen To­tal­an­griff auf die ar­bei­ten­de Bevölke­rung dar­stellt, folg­ten bald welt­wei­te Pro­tes­te, von fort­schritt­li­chen Aufständen in der ara­bi­schen Welt über die Oc­cu­py-Be­we­gung zu ge­genwärti­gen Un­ru­hen und un­an­ge­neh­men Über­ra­schun­gen bei Wah­len für Re­gie­run­gen, die die Aus­te­ritäts-Po­li­tik[2] in Eu­ro­pa einführen woll­ten. Wir ru­fen alle mar­xis­ti­schen Po­litöko­no­men der Welt auf, die­se Ge­le­gen­heit auf­zu­grei­fen und for­dern eine Aus­wei­tung des öffent­li­chen Be­reichs und des Staats­sek­tors in ei­ner Art und Wei­se, die die mensch­li­che Ent­wick­lung wirk­lich fördert.
Drei Jahr­zehn­te neo­li­be­ra­le Do­mi­nanz ha­ben den Um­fang und die Qua­lität der fort­schritt­li­chen Mo­men­te des öffent­li­chen Be­reichs und des Staats­sek­tors klei­ner wer­den las­sen und zur glei­chen Zeit die öko­lo­gi­sche Kri­se ver­schlim­mert. Die Neo­li­be­ra­len be­har­ren dog­ma­tisch dar­auf, dass der staat­li­che und der öffent­li­che Sek­tor in­ef­fi­zi­ent sind und nur die Märkte so­wie der pri­va­te Sek­tor in der Lage sind Wachs­tum, Beschäfti­gung, Ent­wick­lung und Wohl­er­ge­hen für die Men­schen zu schaf­fen. Nichts ist wei­ter weg von der Wahr­heit. Es war wohl kaum Zu­fall, dass das so­ge­nann­te Gol­de­ne Zeit­al­ter des Ka­pi­ta­lis­mus zur glei­chen Zeit auf dem Höhe­punkt war, als die Aus­wei­tung der fort­schritt­li­chen For­men des öffent­li­chen und des Staats­sek­tors auf­grund des Schwungs der Volks­be­we­gun­gen auf der gan­zen Welt auf ih­rem Höhe­punkt wa­ren. Ge­nau­so we­nig hat die Rückgängig­ma­chung die­ser his­to­ri­schen, im In­ter­es­se des Volks er­run­ge­nen Er­fol­ge zu größerem Wachs­tum und Wohl­stand geführt, wie die Neo­li­be­ra­len be­haup­ten. Statt­des­sen ha­ben die ak­tu­el­len Er­geb­nis­se ih­rer Po­li­tik nur dem großen Ka­pi­tal ge­nutzt, be­son­ders dem Fi­nanz­ka­pi­tal, den Mo­no­pol­grup­pen der Rüstungs­in­dus­trie und den Su­per­rei­chen. Für die Übri­gen führte es zu wirt­schaft­li­cher Sta­gna­ti­on, zu Rück­schritt, Ar­mut, Ar­beits­lo­sig­keit und zu jähen Ein­schnit­ten in das so­zia­le Netz, wie z.B. in Russ­land, wo die neo­li­be­ra­le „Schock­the­ra­pie“ zu ei­nem Rück­gang der Le­bens­er­war­tung – bei­spiel­los für Frie­dens­zei­ten – führte.
Seit der Neo­li­be­ra­lis­mus die Po­li­tik do­mi­niert, sind die Rech­ten im Auf­wind und die vor­han­de­nen lin­ken Kräfte sind in vie­len Tei­len der Welt in die De­fen­si­ve ge­ra­ten. Vie­le sind so­gar nach rechts gerückt. Und der Neo­li­be­ra­lis­mus konn­te durch Agen­tu­ren, wie dem IWF und der Welt­bank schwäche­ren Ent­wick­lungsländern auf­ge­zwun­gen wer­den, oft im Bünd­nis mit hei­mi­schen Eli­ten. Den­noch ha­ben sich die Men­schen mit ih­ren Kämp­fen ge­gen den Neo­li­be­ra­lis­mus von An­fang an ge­wehrt: von den Streiks, De­mons­tra­tio­nen und Un­ru­hen in Großbri­tan­ni­en in den ers­ten Jah­ren un­ter That­cher über die `IWF Un­ru­hen´ in den Ent­wick­lungsländern stets ha­ben die Men­schen ihre Wut über die neo­li­be­ra­le Po­li­tik zum Aus­druck ge­bracht.
Es ver­wun­dert da­her nicht, dass die neo­li­be­ra­le Bot­schaft am Ende des ers­ten Jahr­zehnts ih­rer Vor­herr­schaft nach ei­ner nur zöger­li­chen Ak­zep­tanz, eine größere Rol­le in der staat­li­chen und öffent­li­chen Wirt­schaft in ei­ni­gen Ländern zu spie­len, sich zu verwässern be­gann. In den späten 1990er Jah­ren schließlich fing es an, dass die neo­li­be­ra­le Po­li­tik in ei­ni­gen Ländern zurück­ge­wie­sen wur­de. Es be­gann mit den la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Länder, die am schwers­ten un­ter den bru­ta­len neo­li­be­ra­len Maßre­ge­lun­gen der berüch­tig­ten Struk­tur­be­rei­ni­gungs­pro­gram­me des IWF zu lei­den hat­ten. In ei­ner Wel­le von po­li­ti­schen Umstürzen setz­ten die Völker der Re­gi­on links­ge­rich­te­te und Mit­te-Links-Re­gie­run­gen durch, die sich von den IWF-Schul­den los­sag­ten, ihre po­li­ti­sche Au­to­no­mie aus­dehn­ten und an­fin­gen, die of­fen­kun­di­ge wirt­schaft­li­che Un­gleich­heit der Re­gi­on zu bekämp­fen. In In­di­en wur­de die am meis­ten rechts­ge­rich­te­te Re­gie­rung in der Ge­schich­te des Lan­des zum Zeit­punkt ih­rer größten Hy­bris ab­gewählt und eine Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung, un­terstützt durch lin­ke Par­tei­en, hat die So­zi­al­aus­ga­ben er­heb­lich erhöht.
In den Kernländern des Ka­pi­ta­lis­mus blie­ben je­doch die Klas­sen­kräfte, die den Neo­li­be­ra­lis­mus ein­geführt und da­von pro­fi­tiert ha­ben, an der Macht. Ob­wohl die Fi­nanz­kri­se von 2008, die große Re­zes­si­on und die Kri­se der Eu­ro­zo­ne – be­son­ders das ge­rin­ge Wachs­tum, die große Un­gleich­heit und die Do­mi­nanz des Fi­nanz­sek­tors – Er­geb­nis neo­li­be­ra­ler Po­li­tik wa­ren, und ob­wohl nach Aus­bre­chen die­ser Kri­sen viel die Rede war von der „Rück­kehr“ zu Keynes und sei­ner Po­li­tik der fi­nan­zi­el­len Ex­pan­si­on, wur­de den­noch der Weg der Aus­te­ritäts­po­li­tik be­schrit­ten, die neue und dra­ko­ni­sche Form neo­li­be­ra­ler Po­li­tik. Mit­ten in wach­sen­der Ar­beits­lo­sig­keit, Ob­dach­lo­sig­keit, stei­gen­den Prei­sen für Nah­rungs­mit­tel und Brenn­stof­fe hat die Aus­te­ritäts­po­li­tik wei­ter zum Elend der Mehr­heit durch Ein­schränkun­gen der Dienst­lei­tun­gen des öffent­li­chen Sek­tors, die die Men­schen brau­chen, bei­ge­tra­gen.
Da die­se Po­li­tik in ei­nem Kern­land des Ka­pi­ta­lis­mus eine nach dem an­de­ren ab­ge­lehnt wird, ru­fen wir die mar­xis­ti­schen po­li­ti­schen Öko­no­men auf Fol­gen­des zu tun:
Die Gren­zen des Ka­pi­ta­lis­mus , spe­zi­ell in sei­ner der­zei­ti­gen fi­nanz­do­mi­nier­ten Form, sys­te­ma­tisch auf­zu­zei­gen als ein Sys­tem, das die mensch­li­che Ent­wick­lung eher hemmt als vor­an­bringt und mit den po­li­tisch-de­mo­kra­ti­schen Rech­ten so­wie ei­nem fort­schritt­li­chen öffent­li­chen Be­reich kol­li­diert.
Die po­li­ti­schen Rech­te der Völker und Be­we­gun­gen zu un­terstützen, die den Neo­li­be­ra­lis­mus in sei­ner ak­tu­ells­ten Form, der Aus­te­ritäts­po­li­tik, bekämp­fen, mit der Vor­stel­lung ei­ner aus­ge­gli­che­nen Be­zie­hung zwi­schen Staat, Markt und Öffent­lich­keit zum Nut­zen ei­ner ge­sun­den mensch­li­chen Ent­wick­lung.
Vor­stel­lun­gen für ei­nen wei­te­ren Aus­bau und die Ver­bes­se­rung des öffent­li­chen Be­reichs, als ei­ner Are­na für Volks­macht und Eman­zi­pa­ti­on, zu ent­wi­ckeln, so­wie für die Möglich­kei­ten des Staa­tes im In­ter­es­se der Mehr­heit zu han­deln, um die mensch­li­che Ent­wick­lung zu fördern.
Die Ent­wick­lung so­zia­lis­ti­scher Theo­ri­en und Be­we­gun­gen in La­tein­ame­ri­ka im 21. Jahr­hun­dert zu un­terstützen, so­wie eine ge­sun­de so­zi­al-öko­no­mi­sche Ent­wick­lung der Re­gi­on zu fördern.
Un­se­re So­li­da­rität mit dem grie­chi­schen Volk zu zei­gen, das ge­gen die bedrücken­den Aus­te­ri­ty-Maßnah­men kämpft, die die in­ter­na­tio­na­le Bour­geoi­sie for­dert.

http://www.kaz-online.de/artikel/staat-markt-die-allgemeine-und-mensch-liche-entwicklung-im-21-jahrhundert


_________________________________________________________________________

Was Macht aus Menschen macht


© prisonexp.org
Kennen Sie das Stanford-Gefängnis-Experiment?
In einem psycholgischen Versuch im Jahre 1971 sollten verschiedene Fragen geklärt werden. Unter anderem: “Was passiert, wenn man rechtschaffene Menschen an einen Ort des Bösen bringt? Siegt die Humanität über das Böse oder triumphiert das Böse?”
Das Ergebnis war haarsträubend. Phil Zimbardo war Leiter des Experiments an der Universität von Stanford und musste dieses damals vorzeitig beenden, da die Situation außer Kontrolle geriet.

Schauen Sie sich einmal die Fotodokumentation zum Experiment an. Auch wenn dieser Versuch schon vor 37 Jahren durchgeführt wurde – das Ergebnis und die Erkenntnisse sind bedeutsam und zeigen sich auch heute in Politik und Wirtschaft.
Was macht die Macht aus “normalen” Menschen? Viele Menschen fragen sich, wieso z. B. Wolfgang Schäuble die totale Kontrolle in der BRD einführt und warum die USA heute sehr viel eher einem Polizeistaat gleichen als einem freien Land mit unbegrenzten Möglichkeiten.
Die einen sagen, das wäre nicht so, sondern unsere Politik schützt uns damit vor dem weltweiten Terrorismus. Okay, wer daran glaubt mag sich freuen über diese vermeintliche Sicherheit zum Preis der Aufgabe sämtlicher Menschenrechte.
Andere sehen in diesen Vorgängen die sichtbare Tendenz einer jahrhundertealten Verschwörung, die Menschheit zu unterjochen und auszubeuten.
Was aber ist mit dem einfachen Faktor “Macht”? Führt zügellose und uneingeschränkte Macht nicht ebenso zu solchen Auswüchsen? Sind unsere Volksvertreter und erfolgreichen Wirtschaftsbosse vielleicht mit der ihnen zugesprochenen Macht überfordert? Werden sie gierig nach immer mehr Macht? Werden Sie in dieses Machtverhalten hineingetrieben?
Wenn Menschen Macht zugesprochen wird, führt das dazu, dass diese immer mehr davon haben möchten. Dabei merken die wenigsten, dass sie den Boden unter den Füßen auf dem Weg zu immer größerer Macht verlieren. Viele Machtmenschen merken das nicht, sie streben langsam und stetig nach der Erweiterung ihrer Macht. Der Wunsch nach immer mehr Macht steigt, je mehr Macht diese Personen erhalten. Und werden sie nicht eingebremst, dann landen wir dort, wo wir heute sind.
Dieser maßlosen Machtgier und Machtkonzentration muss ein Ende gesetzt werden. Wir können froh sein, dass die Welt sich jetzt selbst bereinigen wird – die kommende Weltwirtschaftskrise wird dabei helfen. Und jeder von uns sieht, mit welcher Macht und aus welcher Verzweiflung heraus unsere Obrigkeit um jeden Preis versucht, ihre Positionen zu retten. Keiner von denen will UNS oder gar das Finanzsystem retten. Ihnen geht es allein um ihre eigene Position – um nichts anderes.
Diesen Menschen geht es aber nicht um ideologische Ziele – außer David Rockefeller und anderen wenigen, ganz besonders kranken Exemplaren – ihnen geht es allein um den Erhalt ihrer persönlichen Errungenschaften und Machtverhältnisse, um mehr nicht, aber auch nicht um weniger. Und dafür ist ihnen kein Preis zu hoch. Das einzige Ziel heißt Machterhalt!
Tun wir ihnen nicht den Gefallen und spielen diese Machtspiele jetzt nicht mehr mit.

__________________________________________________________________

Was Macht aus uns macht

 „Machtbeziehungen gibt es überall, in jedem sozialen Gefüge“, sagt Erich Witte, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Hamburg. „Und nur in den seltensten Fällen kann jemand Machtmissbrauch widerstehen.“ Wenn ein Mensch erst einmal Macht bekomme, falle es äußerst schwer, sie nicht zum eigenen Vorteil einzusetzen. Egal, wie freundlich und hilfsbereit die Person vorher gewesen sei. Es handele sich dabei um einen evolutionär begründeten Mechanismus, der automatisch ablaufe, wenn man nicht bewusst dagegen ankämpfe.Unkompliziert an Termine mit dem Chef kommen dann nur noch Personen, die dieser zu seinem inneren Zirkel zählt und die seine Macht stützen.

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/psychologie-was-macht-aus-uns-macht-1590134.html 

Doch genau das scheint für viele Machthabenden unmöglich zu sein. Psychologen sprechen von dem „Paradoxon der Macht“: Gewöhnlich erhält niemand Macht, weil er unfreundlich, despotisch und rücksichtslos ist. Im Gegenteil steigen besonders leicht die Kollegen auf, die beliebt sind. Anstatt hilfsbereit, ehrlich und offen zu bleiben, werden sie nach der Beförderung aber plötzlich herrisch und unzugänglich. Sachliche Kritik wird dann nicht mehr als potentiell konstruktiv empfunden, sondern als böswilliger Versuch einer Demontage. Fähige Mitarbeiter werden als Konkurrenten identifiziert und abgesägt, um den Olymp der eigenen Macht zu sichern. Teure Geschäftsessen, Sekretärinnen, der Oberklassewagen und ein großes Büro - der Machthabende grenzt sich zunehmend von seinen Mitarbeitern ab. Besonders effektiv sind dabei lange Wartezeiten.

No comments:

Post a Comment